von Michael Schlösser
Tag Eins
Ein Haufen Irregulärer, unangepaßter und anderer
Taugenichtse, die sich hier unter dem Banner der Revolution um ein kärgliches
Feuer versammelt haben. Angeführt werden sie von einem Hauptmann,
den sie alle nur 'Verdammt' nennen. Ich glaube, Jean-Claude ist sein Vorname.
Sie wollen den Tyrann des Landes, der auf der Burg zwei Meilen von hier
sitzt, stürzen. Der helle Wahnsinn, aber die kleine Rosamund will
unbedingt bei dieser kleinen Revolution mitmachen. Ich hoffe, daß
sie zur Vernunft kommt und ich sie zu ihrem Vater, meinem Herrn, zurückbringen
kann, bevor wir am Galgen baumeln.
Tag Zwei
Es ist heiß hier, und das nicht nur in einer Hinsicht.
Heute haben wir im Wald eine Patroullie Satai-Orks im Wald angetroffen,
die es wirklich wissen wollten. Wir wären wohl alle tot, wenn wir
nicht einen Gefährten dabeigehabt hätten, der uns alle mit gewandter
Zunge aus der Gefahr herausredete. Der Fürst hat wenige Leute, aber
sie sind skrupellos, und wir haben keine Unterstützung in der Bevölkerung.
Tag Drei
Inzwischen sieht die Lage ein gutes Stück anders
aus. Die Landbevölkerung hat uns sicheren Aufentalt versprochen, und
etliche bewaffnete Reisende haben sich gefunden, die sich ebenfalls dem
finstere Gottheiten anbetenden Fürsten entgegenstellen wollen. Vielleicht
haben diese Narren ja wirklich eine Chance. Sie nutzen jedenfalls jede,
die sie kriegen können.
Heute Nacht wird auf jeden Fall ungemütlich. Die
Häscher des Fürsten haben unser Lager gefunden und niedergebrannt,
als wir grad nicht da waren. Möglicherweise unser Glück - die
Angriffsgruppe ist auf dem Rückweg bis auf wenige Armlängen an
mein Versteck am Wegesrand herangekommen. Es waren Dutzende! Rosamund regt
sich nun ständig auf, daß ihre Laute und unsere Decken verbrannt
sind. Viele von uns wollen sich nun bei den Dörflern einquartieren,
aber ich bestehe darauf, heute nacht in den Überresten unseres Lagers
zu übernachten, dort vermutet uns bestimmt keiner.
Tag Vier, morgens
Eben erst ist es passiert. Die ganze Nacht habe ich pflichtbewußt
unten im Dorf Wache gestanden, etwas, was ich im Gegensatz zu all diesen
Umstürzlern gelernt und jahrelang gemacht habe. Als bei Sonnenaufgang
die ersten müden Gestalten wieder auf den Beinen waren, übergab
ich die Wache vertrauenvoll an sie und marschierte zum Lager hinauf, um
eine Handvoll Schlaf zu bekommen. Ich muß gerade außer Hörweite
gewesen sein, als alles zusammenbrach. Der einzige Überlebende außer
den Waldläufern berichtete mir eben, daß die gedungenen Truppen
des Fürsten eine Stunde nach Morgengrauen schwer gerüstet ins
Dorf eingefallen sind und alle Bewohner, größtenteils noch in
ihren Nachtlagern, niedergemetzelt haben. Die meisten schliefen noch ihren
Rausch vom Vorabend aus und waren wohl keine ernstzunehmenden Gegner. Hauptmann
Verdammt ist tot, ebenso wie alle anderen, die es nicht über sich
brachten zu fliehen. Als gerüsteter wäre ich es wohl auch gewesen,
und dann hätte mein Herr seine unartige Tochter wohl nur auf den Sklavenbasaren
des Südens wiederfinden können.
Nun packen wir das, was uns bleibt, zusammen und sehen
zu, daß wir ein paar Meilen unwegsamen Landes zwischen uns und dieses
Schurkenpack bringen. Rosamund ist ganz still geworden, es scheint ihr
die Lust am Revolution spielen vergangen zu sein. Noch atme ich aber nicht
auf, morgen schon könnte sie auf den Gedanken kommen, daß wir
unbedingt gegen die dunklen Scharen, die das nächste Dorf bedrohen,
zu Felde ziehen müssen, aber das wird mich nicht kümmern, bevor
ich nicht ein wenig Schlaf nachgeholt habe.