Auszug aus dem Reisetagebuch des Gardisten Alfred Tjaden

von Michael Schlösser

Tag Eins
Ein Haufen Irregulärer, unangepaßter und anderer Taugenichtse, die sich hier unter dem Banner der Revolution um ein kärgliches Feuer versammelt haben. Angeführt werden sie von einem Hauptmann, den sie alle nur 'Verdammt' nennen. Ich glaube, Jean-Claude ist sein Vorname. Sie wollen den Tyrann des Landes, der auf der Burg zwei Meilen von hier sitzt, stürzen. Der helle Wahnsinn, aber die kleine Rosamund will unbedingt bei dieser kleinen Revolution mitmachen. Ich hoffe, daß sie zur Vernunft kommt und ich sie zu ihrem Vater, meinem Herrn, zurückbringen kann, bevor wir am Galgen baumeln.

Tag Zwei
Es ist heiß hier, und das nicht nur in einer Hinsicht. Heute haben wir im Wald eine Patroullie Satai-Orks im Wald angetroffen, die es wirklich wissen wollten. Wir wären wohl alle tot, wenn wir nicht einen Gefährten dabeigehabt hätten, der uns alle mit gewandter Zunge aus der Gefahr herausredete. Der Fürst hat wenige Leute, aber sie sind skrupellos, und wir haben keine Unterstützung in der Bevölkerung.

Tag Drei
Inzwischen sieht die Lage ein gutes Stück anders aus. Die Landbevölkerung hat uns sicheren Aufentalt versprochen, und etliche bewaffnete Reisende haben sich gefunden, die sich ebenfalls dem finstere Gottheiten anbetenden Fürsten entgegenstellen wollen. Vielleicht haben diese Narren ja wirklich eine Chance. Sie nutzen jedenfalls jede, die sie kriegen können.
Heute Nacht wird auf jeden Fall ungemütlich. Die Häscher des Fürsten haben unser Lager gefunden und niedergebrannt, als wir grad nicht da waren. Möglicherweise unser Glück - die Angriffsgruppe ist auf dem Rückweg bis auf wenige Armlängen an mein Versteck am Wegesrand herangekommen. Es waren Dutzende! Rosamund regt sich nun ständig auf, daß ihre Laute und unsere Decken verbrannt sind. Viele von uns wollen sich nun bei den Dörflern einquartieren, aber ich bestehe darauf, heute nacht in den Überresten unseres Lagers zu übernachten, dort vermutet uns bestimmt keiner.

Tag Vier, morgens
Eben erst ist es passiert. Die ganze Nacht habe ich pflichtbewußt unten im Dorf Wache gestanden, etwas, was ich im Gegensatz zu all diesen Umstürzlern gelernt und jahrelang gemacht habe. Als bei Sonnenaufgang die ersten müden Gestalten wieder auf den Beinen waren, übergab ich die Wache vertrauenvoll an sie und marschierte zum Lager hinauf, um eine Handvoll Schlaf zu bekommen. Ich muß gerade außer Hörweite gewesen sein, als alles zusammenbrach. Der einzige Überlebende außer den Waldläufern berichtete mir eben, daß die gedungenen Truppen des Fürsten eine Stunde nach Morgengrauen schwer gerüstet ins Dorf eingefallen sind und alle Bewohner, größtenteils noch in ihren Nachtlagern, niedergemetzelt haben. Die meisten schliefen noch ihren Rausch vom Vorabend aus und waren wohl keine ernstzunehmenden Gegner. Hauptmann Verdammt ist tot, ebenso wie alle anderen, die es nicht über sich brachten zu fliehen. Als gerüsteter wäre ich es wohl auch gewesen, und dann hätte mein Herr seine unartige Tochter wohl nur auf den Sklavenbasaren des Südens wiederfinden können.
Nun packen wir das, was uns bleibt, zusammen und sehen zu, daß wir ein paar Meilen unwegsamen Landes zwischen uns und dieses Schurkenpack bringen. Rosamund ist ganz still geworden, es scheint ihr die Lust am Revolution spielen vergangen zu sein. Noch atme ich aber nicht auf, morgen schon könnte sie auf den Gedanken kommen, daß wir unbedingt gegen die dunklen Scharen, die das nächste Dorf bedrohen, zu Felde ziehen müssen, aber das wird mich nicht kümmern, bevor ich nicht ein wenig Schlaf nachgeholt habe.


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